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Mit großer Trauer geben wir bekannt, dass Uwe Heinemann am 8. September 2016 in Berlin nach kurzer Erkrankung verstorben ist. Wir verlieren mit Uwe Heinemann eine der prägenden Persönlichkeiten des Feldes, einen außergewöhnlichen Wissenschaftler, Lehrer, und für sehr viele einen Mentor und Freund.
Uwe Heinemann war fast fünf Jahrzehnte im Bereich der Neurowissenschaften und der Epilepsieforschung tätig. Er hat sich bereits in seiner Doktorarbeit bei Prof. O. Creutzfeld mit neurophysiologischen und epileptologischen Mechanismen des EEGs beschäftigt. Als Postdoktorand bei Prof. H. D. Lux wandte er sich zusätzlich den molekularen und zellphysiologischen Grundlagen pathologischer Aktivitätsmuster zu. Wir verdanken seiner Arbeit unzählige wichtige Entdeckungen von Basismechanismen der Epilepsien, die häufig die Forschungsrichtung im Feld nachhaltig beeinflusst haben.
Uwe Heinemann hat - zusätzlich zu seiner wissenschaftlichen Arbeit - die Epilepsieforschung in Deutschland noch auf vielfältige andere Weise geprägt. Zuallererst ist es ihm immer gelungen, seine eigene Faszination an der Epilepsieforschung an Studenten und Doktoranden zu vermitteln. Nachwuchswissenschaftler aus Finnland, Israel, Fankreich, Belgien, Holland, England, Irland, Rußland und vielen anderen Ländern waren in den vergangenen 30 Jahren als Studenten, wissenschaftliche Mitarbeiter, oder als Gastwissenschaftler in seinem Labor, und haben aus diesem Aufenthalt ein lebenslanges Interesse an der Epilepsieforschung mitgenommen. Für viele von ihnen war dies der Beginn einer Karriere, die sie in eine akademische Dauerstelle an oft renommierten Institutionen in aller Welt geführt hat. Uwe Heinemann war außergewöhnlich engagiert in der Wissenschaftsvermittlung und Lehre. Er hat nicht nur unzählige Lehrveranstaltungen selbst durchgeführt, er hat auch eine Vielzahl von Studiengängen, Graduiertenschulen und internationalen Lehrprogrammen maßgeblich gestaltet.
Uwe Heinemann hat sich stets weit über das eigene Labor hinaus für die wissenschaftliche Gemeinschaft engagiert. Als Mitglied oder Vorsitzender zahlreicher Kommissionen und Arbeitsgruppen hat er national und international eine Vielzahl wichtiger Impulse gegeben, die unser Feld wesentlich beeinflusst haben. Hierzu gehörten zum Beispiel seine langjährige Tätigkeit in der Kommission für Neurobiologie und Epilepsie der ILAE sowie in Advisory Boards zur European Academy of Epilepsy und großen internationalen Kongressen. Uwe Heinemann war von 1993 bis 1995 Präsident der DGfE, und ist seit 2012 Ehrenmitglied unserer Gesellschaft. Er war ein wesentlicher Initiator der heute fest etablierten grundlagenwissenschaftlichen Veranstaltung der ILAE „Workshop on Neurobiology of the Epilepsies“, die sich zu einem der wesentlichen 'think tanks' für Epilepsieforschung entwickelt hat. Seine wissenschaftliche Exzellenz und integrative Persönlichkeit wurde durch viele Preise ausgezeichnet, z. B. erhielt er zweimal den internationalen Michael-Preis (1979 und 1987), den Alfred Hauptmann-Preis (1988), den Ambassador for Epilepsy Award (1989), den Basic Science AES Award (1992), und den Europäischen Epilepsiepreis (2008).  
Für diejenigen, die das Glück hatten mit Uwe Heinemann zu arbeiten, ist er unvergesslich durch seine unbedingte Loyalität, seine Selbstlosigkeit und grenzenlose Hilfsbereitschaft.  Seine tiefe wissenschaftliche Neugier, sein Enthusiasmus, sein enzyklopädisches Wissen, und seine ehrliche Freude an guter Wissenschaft waren vielen Ansporn und Prägung. Dieser Persönlichkeit ist es zuzuschreiben, dass die im 'Heinemann-Labor' verbrachte Zeit für die meisten von uns zu einer lebenslangen Bindung geführt hat. Viele von uns verdanken ihm sehr viel, sowohl auf einer persönlichen wie auch auf einer wissenschaftlichen Ebene. Vieles von seiner Haltung als Forscher und als Mensch wird in unserer Arbeit weiterleben.
Uwe Heinemann hinterlässt seine Frau Marianne, seine Tochter Daniela, und seinen Enkel Joel. Unsere Gedanken sind bei ihnen.
 

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